Fünf Fragen an: Michael Topp

Michael Topp ist seit 1990 in der Oberflächenbranche tätig und beschäftigte sich in seiner Diplomarbeit an der Fachhochschule Ravensburg/Weingarten mit einem Forschungsprojekt zur Optimierung der Oberflächen von gefederten Kontaktstiften für seinen späteren Arbeitgeber, die Fa. Ingun Prüfmittelbau GmbH. Schließlich wechselte er zur J. Wagner GmbH und ist heute Senior Global Product Manager für industrielle Pulverbeschichtungsanlagen.

Katja Villnow

Katja Villnow

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11.07.2017

Michael Topp

Was waren die herausragenden technologischen Entwicklungen?

Die Möglichkeit, Beschichtungspulver direkt aus dem Liefergebinde (Karton) zu den Pistolen zu fördern hat die Flexibilität der Handbeschichtung und auch der Automatikbeschichtung wesentlich erhöht. Ein Meilenstein war auch die Umstellung von Edelstahlkabinen auf Kunststoffkabinen, weil das zu einer deutlichen Verkürzung der Farbwechselzeit führte. Auch die Steigerung der Produktivität durch vollautomatische Beschichtungsanlagen mit 3D Achstechnik, die bereits vor 26 Jahren und ganz ohne aufwändige Roboter möglich war, hat dem Pulverlack neue Anwendungsfelder eröffnet. Über den gesamten Entwicklungszeitraum bis heute haben Farbwechselsysteme mit Kunststoffkabinen, Pulverzentrum, vertikalem Pistolenaufbau und teilautomatisiertem Farbwechselablauf die Farbwechselzeit dramatisch verringert. Während es früher zwischen 30 und 60 Minuten dauerte, die Farbe zu wechseln, liegt heute der Maßstab bei zehn Minuten und weniger. Ein großer Gewinn war auch die Umstellung von mechanischen Steuerkomponenten auf elektronische Module, weil sich so eine höhere Präzision mit einer gleichzeitigen Vereinfachung der Bedienung verbinden ließ. So konnte die Beschichtungsqualität immer weiter verbessert werden. Auch die Produktivität und Energieffizienz moderner Anlagen hat sich massiv weiterentwickelt. Für den Anwender sehr positiv ist außerdem, dass sich insbesondere durch die zentrale Touchscreen Bedienung der Anlage in Verbindung mit einer guter Visualisierung von Anlage und Prozessablauf die Bedienung erheblich vereinfacht wurde.

Welche Ereignisse haben die Oberflächenbranche besonders geprägt?

Die verstärkte Expansion in globale Märkte vor einigen Jahren, speziell nach China, löste zunehmenden Kostendruck aus. Weiterhin führte bei den Anwendern die Individualisierung von Kundenanforderungen zu einer enormen Erhöhung der Farbenvielfalt bei gleichzeitiger Reduktion der Chargengröße. Bekannt ist aber auch, dass die Kunden der Beschichter diese Flexibilität eigentlich nicht bezahlen wollen. Von daher gilt es, den Mehraufwand so gut wie möglich über die Produktivität der Anlage auszugleichen. Davon abgesehen haben in den letzten Jahren verschärfte Umweltauflagen zu der Entwicklung neuer Lacksysteme und auch Geräten zur Verarbeitung dieser Lacke geführt, von High Solids bis zu wasserlöslichen Lacken. Insbesondere die VOCThematik hat dabei die Bedeutung der Pulverbeschichtungstechnik als umweltfreundliche Technologie stark gefördert.

Welche Anwendungen haben Sie persönlich am meisten beeindruckt?

Die Vielfalt an Farbtönen, die heute als Pulverlack erhältlich und applizierbar ist, war vor 25 Jahren nicht vorstellbar. Auch die Reduktion der Farbwechselzeit mit der damit verbundenen deutlichen Steigerung der Produktivität ist bemerkenswert. Ein weiteres Thema, das mich fasziniert, sind die Lackierprozesse von Aluminiumrädern im KFZ-Bereich hinsichtlich Volumen und Anforderungen an Qualität und Stückkosten. Die Enwicklung der optimalen technischen Lösungen ist auch heute noch faszinierend, genauso die Erweiterung der automatischen Beschichtung auf Großteile wie Landmaschinen, LKWs oder Trailer.

Welche Ihrer eigenen Projekte waren besonders herausfordernd?

Generell sind mir Projekte mit einem sehr hohen Automatisierungsgrad bis zu 100 Prozent in Erinnerung, weil hier die Projektierungsleistung entscheidend für den späteren Erfolg ist. Dazu gehört zum Beispiel die Projektleitung der größten Pulverbeschichtungsanlage für LKWs Trailer und Aufbauten. Die Werkstückdimensionen mit bis zu 14 Metern Länge in Zusammenhang mit den Anforderungen an einen hohen Automatisierungsgrad übertrafen alle bisherigen Projekte. Dementsprechend mussten viele Komponenten erst konzipiert und konstruiert werden, sowie neue Beschichtungsabläufe entwickelt werden. Auch herausfordernd war die Entwicklung eines modularen Steuerungskonzepts mit vielen anspruchsvollen Funktionen. Das besondere war hier, dass dieses Projekt und die zu entwickelnden Komponenten mit dem ganzen Produktportfolio verknüpft waren und deren Interaktion berücksichtig werden musste.

Was sollte in Zukunft besser werden?

Um die schwankende Leistung manueller Arbeiten zu eliminieren und dem Produktionsplaner bessere Planmöglichkeiten zu geben, sollte der Fokus darauf liegen, manuelle Tätigkeiten an Beschichtungsanlagen weiter durch automatisierte Lösungen zu ersetzen. Auch wäre es wichtig, die Verfügbarkeit von heute noch fehlenden Sensoren zu verbessern, um Qualität und Produktionssicherheit weiter verbessern zu können. Generell sollte auch die Verknüpfung von virtueller Realität mit dem realem Prozess zur Verbesserung von Arbeitsvorbereitung, Qualitätskontrolle und Wartung forciert werden.

Katja Villnow

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C-Linie: Die flexibelste Pulverbeschichtung von Rädern

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